Mittwoch, 6. Mai 2009

Abramowitsch, die verzockte Yacht und testosterongeladene Ego-Spieler

Ja, ja, die Bild. Den einen schockt sie mit Überschriften wie "Irre! Ballack-Boss verzockt Yacht beim Pokern", während andere in schallendes Gelächter ausbrechen, weil der Artikel beginnt mit dem Ausruf: "Ja, ja, die Finanzkrise." Ich weiß nicht, ob ich das hier schon mal erwähnt habe, falls ja, bitte ich um Entschuldigung, ist eh nur geklaut: "In einem Land, in dem Bild als Zeitung durchgeht, gelten Friseure als Hirnforscher." Außerdem weiß es die Bild auch nicht genau, und wenn die schon schreiben "angeblich" sinkt der Wahrheitsgehalt gegen null. So richtig interessiert ja auch nicht, ob Abramowitsch verloren, sondern wer gewonnen hat. Weiß natürlich wieder keiner.

Dafür hat die FAZ die "Black Mamba" entdeckt und verdient sich weitere Sporen in der Poker-Berichterstattung: "So weit hergeholt ist 'Black Mamba' gar nicht. Schließlich hält sie eine Schlange als Haustier in ihrer Berliner Wohnung und trägt selbst mit Vorliebe Schwarz: Highheels, Rock, Augenlider, Brauen, Haare. Strahlend weiß sind nur Bluse und Zähne. Zur Arbeit trägt sie ohnehin Schwarz, dazu einen Cowboyhut und ein tiefes Dekolleté. 'Viele Männer sind testosterongeladene Ego-Spieler, die keine Hand gegen eine Frau verlieren wollen.' Das nutzt sie aus, das ist ihr Vorsprung." Es geht doch nichts über Qualitätsjournalismus: "Die Szenerie beim EPT Grand Final ist nicht glamourös: der Teppichboden kreischend bunt, das Licht blaustichig, die Klimaanlage im verzweifelten Kampf gegen Körperausdünstungen. Ihre Gegner sind gelackte Typen in Anzug und mit kunstvoll gestutztem Bärtchen, Verschrobene mit fettigen Haaren und Wollpulli, Coole, Lässige, Verhaltensgestörte, Autisten, Schweiger. In der Pause gibt es matschigen Cheeseburger mit Pommes für 18 Euro." Klingt ganz nach Deutschland, wenn du die Coolen und die Lässigen streichst, die kommen bekanntlich immer woanders her. Wann schaltet Pokerstars mal ganzseitige Anzeigen in dem Blättchen?

Poker ohne Humor geht eigentlich gar nicht, weil doch wieder so viel passiert, was mathematisch gesehen eigentlich eher selten vorkommen sollte. Um das zu ertragen, braucht es Humor und Sarkasmus in möglichst großen Mengen. So wie bei Pauly:

"I'll spare you the mundane specifics of the first hand, but I had my Aces cracked by a Euro Lagtard. I even flopped a flush draw and whiffed. My Germanic opponent was hopelessly chasing a smaller flush and he backdoored two pair. Nice catch, you schwilly shitbag from Stralsund."

Pauly muss man auch lieben für solche Sätze:

"In America, we're suckers for a rags-to-riches-to-rags-to-rehab-to-riches stories. Mike Matusow epitomized the American Dream and an E!"

Weil der Second-Hand-Klatsch hier langsam überhand nimmt, noch ein paar Hinweise auf Artikel, die sich mit dem Turnierspiel beschäftigen: Andrew Brokos schrieb in der Aprilausgabe von 2+2 eine nützliche Gedankenstütze, was bei der schnellen Einschätzung der Gegner hilft; lesenswert ist auch die Serie von Bond18 "Things it took me a while to learn."

Kommentare:

icanhastilt hat gesagt…

Ach Klatsch und Tratsch ist doch immer wieder unterhaltsam ;-)

DerRallo hat gesagt…

hihi...
naja... wenn die "Luxus-Yacht" dann wirklich 500.000$ wert war sollte er es noch verschmerzen können... war wohl ehr ein Beiboot... ^^

Andi hat gesagt…

Beiboot denke ich iost passend! ;-)