Freitag, 5. Februar 2010

Pokerrunden mit Leichen und andere Shorties

Zeit für ein paar abseitige Nachrichten, entfernt mit Poker verwandt, möglicherweise enthemmt eklektisch.

Nicht jeder Bilderklau ist ein kluger, oder so. Deswegen nur kurz der Link auf die plastinierten Leichen des Gunther von Hagens, die in diesem Fall Poker spielen. Das Bild ist in einigen Zeitungen das Bild des Tages, der mitgelieferte Text geht so: "Plastinierte Leichen als Pokerrunde sitzen in Bremen an einem Pokertisch. Diese sind erstmals in einer Ausstellung des umstrittenen Leichenpräparators Gunther von Hagens zu sehen." Was nicht stimmt. Die Pokerrunde war bereits zu sehen, zum Beispiel in Manchester, im Mai 2008.

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Die URL all-in.de gehört übrigens nicht zu einer Pokerseite, sondern zu "das Allgäu online". Die Redaktion spielte gerade eine Runde Poker nach Feierabend und suchte verzweifelt nach einem prägnanten Namen für die Online-Ausgabe der Allgäuer Zeitung, als der Praktikant, der zu dem Spiel angestiftet hatte und der in seiner Freizeit online mehr Geld verdient als mancher freier Mitarbeiter, ausrief: "All In." Er hielt gerade ein Full House.

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Während der oligopolistische Kapitalismus weiter ungehindert seine Schrecken auf diesem Planeten verbreitet und wir weiter Small Stakes spielen, leistet sich die Deutsche Bank ein Casino in Vegas, nicht ganz aus freien Stücken, wie es scheint. Denn zunächst verlieh die Bank nur ihr Geld an einen Bauunternehmer, der am Strip das Cosmopolitan Resort Casino mit Eigentumswohnungen hochziehen wollte. Dann kam die Finanzkrise, mit ihr der Einbruch der Immobilienpreise, und der Bauunternehmer konnte den Kredit von 760 Millionen Dollar nicht mehr bedienen. Die Deutsche Bank kaufte das Casino-Projekt schließlich aus der Zwangsversteigerung für eine Milliarde Dollar: "Das Projekt gilt 'Bloomberg' zufolge als teuerstes Debakel für einen Kreditgeber in Las Vegas. So kostet der Komplex im Endeffekt rund zwei Milliarden Dollar mehr als ursprünglich veranschlagt und wird wohl auch erst mit zweijähriger Verspätung fertig gestellt. Bislang musste die Deutsche Bank 748 Milionen Dollar auf das Cosmopolitan-Projekt abschreiben." Dennoch scheint geplant zu sein, das Cosmopolitan Casino Resort Ende 2010 oder Anfang 2011 zu eröffnen. Es wäre das erste Casino in Las Vegas, das einer Bank gehört.

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Die gegenwärtige Krise trifft Las Vegas härter als alle anderen Krisen zuvor. Das berichtet das Handelsblatt: "Die Abwärtsspirale zeigt, dass den Amerikanern das Geld nicht mehr so locker sitzt wie früher. Wenn die Arbeitsstelle nicht mehr sicher oder schon lange weg ist, wer wirft da noch gerne Dollarscheine auf die Spieltische? Bei der Unterhaltung sparen krisengeschüttelte Konsumenten zuerst. Und nicht nur das, auch steigende Benzin- und Kerosinpreise drücken die Lust, in die Kasinostädte zu reisen. In Vegas seien seit 1979 nur einmal die Umsätze von Glücksspiel gefallen, so die Tagungs- und Besucherbehörde von Las Vegas, nämlich im Jahr nach dem 11. September 2001. Es holperte kurz, und ging weiter steil aufwärts.

Viel schlimmer sind da die Rückgänge, die Las Vegas durch die Krise der letzten Jahre zu verkraften hat. Das Jahr 2008 warf die Kasinobetreiber bei Umsatz und Besucherzahlen zurück auf das Niveau von 2004. Wo Neubauprojekte in den Himmel klettern sollten, klettern jetzt nur noch die Schulden."

Kommentare:

B2crusher hat gesagt…

Wie immer ein paar interessante Storys von Dir. Ist es erlaubt zu fragen wie es pokertechnisch läuft?

Victor Vega hat gesagt…

Doing the grind. Stimmung in etwa: So kann's weitergehen.